Polyamidbuchsen chemisch betrachtet
Wofür Polyamidbuchsen?
Viele Mopedfahrer wissen Polyamidbuchsen spätestens nach ein paar Jahren zu schätzen:
Wo die Kollegen aus Gummi anfangen, porös zu werden und auszuleiern und dem ganzen Gefährt eine schwammige Note beim Fahren hinterlassen, zeigen die Polyamidbuchsen, was sie
können: Präzise Führung, hohe Stabilität und sicheres Fahrverhalten, um nur ein paar positive Aspekte ans Licht zu bringen.
Was sind Polyamidbuchsen denn eigentlich?
Schau dir beispielsweise deine Schwinge mal genauer an:
Dort, wo die drehbar am Rahmen gelagert ist, sitzt eine Buchse, mag sie nun aus Gummi, Polyamid oder sonstwas bestehen. Sie ist dafür da, dass ohne Verschleiß am Trägermaterial
(in diesem Fall die Schwinge und der Rahmen) eine relativ präzise geführte, aber dennoch leicht elastische Bewegung vollführt werden kann.
Nun aber zur Chemie in der Buchse:
Das markante Merkmal von Polyamiden ist die Amid-Bindung, die auf den ersten Blick eigentlich eine Peptidbindung ist. Das kennen die ein oder anderen
Leser vielleicht noch aus dem Biounterricht, nämlich bei Proteinen. Polyamide sind also nichts anderes als Proteine, an denen statt Aminosäuren irgendwelche organischen Reste
hängen (natürlich ist das sehr salopp gesagt, man käme darüber hinaus nie auf die Idee, Polyamide als Proteine zu bezeichnen!).
Über zwischenmolekulare Wechselwirkungen, die u.A. von der Amidbindung ausgehen, kann im Verbund eine recht hohe Zug- und Stoßfestigkeit parallel zu einer gewissen Elastizität
erreicht werden.
Sonderwünsche von Polyamid
Häufig liest man in Foren, wenn mal wieder jemand verzweifelt fragt, wie er denn seine neuen Polyamidbuchsen in die Bohrungen kriegen soll, als Ratschlag, er möge es doch bitte
mit Fett probieren, funktioniert wunderbar.
Tut es auch, es flutscht wunderbar hinein und dann hat man endlich Ruhe, Polyamid sei Dank. Denkste!
Denn Fette bestehen aus Glycerin, an das per Esterbindung je 3 Fettsäuren gebunden sind. Wenn diese Fettsäuren abgespalten werden, greifen sie die Amidbindung an und eure
Buchse zerfällt langsam aber sicher... Manch einem der älteren Generation ist das evtl. noch von Nylonhemden (Nylon ist ja auch ein Polyamid) bekannt: Stellen, die mit Schweiß in
Berührung kommen (säurehaltig), werden mit der Zeit löchrig. Genau so verhalten sich dann auch eure neuen Buchsen!
Keine schöne Vorstellung!
Keine Panik!
Wer sich jetzt in Grund und Boden ärgert, weil er seine guten Buchsen schon gefettet hat:
Nicht aufregen: Sie gehen dann eben etwas schneller kaputt, beim nächsten Mal eben drauf aufpassen! So tragisch ist das auch nicht, aber eine vermeidbare Fehlerquelle
immerhin!
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